Pastellstifte: Warum du keine teuren Sets brauchst

Die Wahrheit über Pastellstifte: Warum du keine teuren Sets brauchst (und welche Stifte wirklich zählen)

 

 

Es war an einem Dienstagabend im Februar, als ich zum dritten Mal in diesem Monat vor meinem Laptop saß und durch Online-Shops für Künstlerbedarf scrollte. In meinem Warenkorb lag bereits ein 120er-Set Pastellstifte für 89 Euro. Mein Finger schwebte über dem "Jetzt kaufen"-Button. Ich zögerte.

Vor mir auf dem Schreibtisch lagen drei bereits geöffnete Sets. Eins mit 72 Farben, eins mit 48, und ein "Profi-Set" mit 96 Stiften, für das ich vor einem halben Jahr stolze 120 Euro bezahlt hatte. Ich klappte meinen Laptop zu und stand auf. Dann tat ich etwas, das ich schon lange hätte tun sollen: Ich holte all meine Pastellstifte heraus und breitete sie auf dem Boden aus.

Das Bild, das sich mir bot, war ernüchternd. Hunderte von Stiften. Manche noch in Folie eingeschweißt. Andere mit Preisaufklebern, die ich nie entfernt hatte. Ich begann zu zählen. Von den geschätzten 300 Stiften, die ich besaß, hatten vielleicht 40 sichtbare Abnutzungsspuren. Der Rest? Unberührt. Neuwertig. Verschwendet.

In diesem Moment wurde mir klar: Ich hatte ein Problem. Und ich war nicht allein damit.

Der Moment, in dem alles anfing

Lass mich zurückspulen. Drei Jahre zuvor hatte ich mein erstes Tierporträt mit Pastellstiften gemalt. Es war der Labrador meiner Nachbarin, ein sanfter Riese namens Bruno mit bernsteinfarbenen Augen. Ich hatte ein günstiges 24er-Set aus dem Supermarkt verwendet und war überglücklich mit dem Ergebnis gewesen.

Meine Nachbarin weinte, als sie das Bild sah. "Das ist Bruno", flüsterte sie. "Genau so, wie er ist." In diesem Moment wusste ich: Das war es. Das wollte ich machen. Tierporträts, die Menschen berühren.

Also begann ich zu recherchieren. Ich las Artikel über professionelle Pastellmalerei, schaute stundenlang YouTube-Videos und trat Online-Gruppen bei. Überall dieselbe Botschaft: "Du brauchst eine große Farbauswahl." "Investiere in Qualität." "Mit 24 Farben kommst du nicht weit."

Ich schluckte diese Ratschläge wie Medizin. Mein erstes "richtiges" Set kostete 60 Euro. 72 Farben, mittlere Qualität. Als ich es auspackte, fühlte ich mich wie ein Kind an Weihnachten. So viele Möglichkeiten! So viele Farben, die ich noch nie gesehen hatte! Ein Türkis, das an karibisches Meer erinnerte. Ein Purpur wie von einem Sonnenuntergang. Ein Neongelb, das praktisch leuchtete.

Ich malte Bruno noch einmal. Diesmal mit meinem neuen Set. Und weißt du was? Das Bild sah fast genauso aus wie das erste. Ich hatte vielleicht fünfzehn verschiedene Farben verwendet. Das Türkis? Lag unbenutzt in der Box. Das Neongelb? Ebenfalls.

Aber ich lernte nicht daraus. Stattdessen dachte ich: "Ich brauche noch bessere Stifte. Noch mehr Auswahl."

Die Spirale nach unten

Sechs Monate später besaß ich bereits drei Sets. Ich hatte mir eingeredet, dass jedes Set seine Berechtigung hatte. Das eine für Hunde, das andere für Katzen, das dritte für "besondere Projekte". In Wahrheit griff ich bei jedem Porträt zu denselben Farben aus verschiedenen Sets, weil ich vergessen hatte, wo genau welcher Ton lag.

Dann kam der Tag, an dem eine Kundin ein Porträt ihrer Perserstkatze bei mir bestellte. Eine wunderschöne Katze mit grauem Fell und bernsteinfarbenen Augen. Ich begann mit der Arbeit, und nach zwei Stunden war ich frustriert. Das Grau sah nicht richtig aus. Es war zu kühl, dann zu warm, dann zu hell, dann zu dunkel. Ich probierte einen Grauton nach dem anderen.

"Mir fehlt einfach der perfekte Mittelton", dachte ich. Also bestellte ich ein neues Set. Diesmal ein teures. 96 Stifte für 120 Euro, mit der Garantie, dass "alle wichtigen Grautöne" enthalten seien. Es kam drei Tage später an. Ich riss die Verpackung auf und testete die Grautöne. Und ja, da war er. Der perfekte Mittelton. Genau das, was ich gesucht hatte.

Ich vollendete das Katzenporträt. Die Kundin war begeistert. Ich war zufrieden. Doch als ich das Set zurück in mein Regal stellte, nagte etwas an mir. Hatte ich wirklich 120 Euro ausgeben müssen, um dieses eine Porträt zu retten? Hätte ich den Ton nicht auch mischen können?

Die Begegnung, die alles veränderte

Der Wendepunkt kam auf einer Kunstmesse im Herbst. Ich hatte einen Stand gemietet, um meine Tierporträts zu zeigen, und neben mir stand eine ältere Dame, die seit über dreißig Jahren Wildtiere in Pastell malte. Ihre Arbeiten waren atemberaubend. Ein Wolf, der dich direkt anzublicken schien. Ein Fuchs mit Fell so realistisch, dass man meinte, es streicheln zu können.

In ihrer Pause kam sie zu mir herüber und betrachtete meine ausgestellten Arbeiten. "Schöne Porträts", sagte sie. "Du hast Talent." Dann fiel ihr Blick auf meine Arbeitsmaterialien, die ich mitgebracht hatte, um am Stand zu demonstrieren. Drei offene Sets mit gefühlt hundert Stiften.

Sie lächelte. "Darf ich dir etwas zeigen?" Sie ging zu ihrem Stand und kam mit einer kleinen, abgegriffenen Blechdose zurück. Sie öffnete sie. Darin lagen vielleicht zwanzig Pastellstifte. Mehr nicht. Manche waren so kurz, dass man sie kaum noch halten konnte.

"Das ist alles?", fragte ich ungläubig.

"Das ist alles", antwortete sie. "Seit dreißig Jahren male ich mit im Grunde derselben Farbpalette. Ich kenne jeden dieser Stifte so gut wie meine eigenen Hände. Ich weiß, wie sie sich auf verschiedenen Papieren verhalten, wie sie miteinander reagieren, welche Schichtungen welche Effekte erzeugen."

Sie nahm einen ihrer abgenutzten Brauntöne heraus. "Siehst du diesen Stift? Er ist nicht besonders. Mittleres Braun, mehr nicht. Aber ich kann dir daraus mindestens zwanzig verschiedene Fellfarben mischen, je nachdem, was ich darunter oder darüber lege."

Dann blickte sie auf meine Sets. "Diese ganzen Stifte", sagte sie sanft, "sie geben dir die Illusion von Möglichkeiten. Aber echte Möglichkeiten entstehen nicht durch mehr Farben, sondern durch Wissen. Durch Können. Durch Erfahrung mit dem, was du hast."

Ihre Worte trafen mich wie ein Schlag. Sie hatte recht. Ich hatte hunderte Euro ausgegeben, um mir Sicherheit zu kaufen. Die Sicherheit, dass mir niemals eine Farbe fehlen würde. Aber stattdessen hatte ich mir nur Überforderung gekauft. Jeden Tag stand ich vor meinen Sets und wusste nicht, wo ich anfangen sollte.

Der Neuanfang

Am nächsten Tag räumte ich auf. Radikal. Ich nahm all meine Pastellstifte und sortierte sie nach einem einzigen Kriterium: Habe ich diesen Stift in den letzten drei Monaten benutzt? Wenn nein, kam er in eine separate Kiste.

Das Ergebnis war schockierend und befreiend zugleich. Von meinen geschätzten 300 Stiften blieben gerade mal 35 übrig. Und weißt du was? Diese 35 Stifte waren alles, was ich wirklich brauchte.

Ich begann, sie genauer zu betrachten. Da waren fünf Brauntöne, die ich immer wieder verwendete. Ein helles Beige, das ich für fast jedes Fell als Basis nutzte. Ein warmes Mittelbraun, mein absoluter Arbeitspferd. Ein dunkles Schokobraun für Tiefe. Ein rötliches Braun, das ich liebte für Nasen und warme Akzente. Und ein graubraun, das ich zum Abdunkeln und Mischen verwendete.

Dann die Grautöne. Ich hatte vier Stifte, die ich tatsächlich nutzte. Nicht zwanzig, wie die Sets suggerierten. Vier. Ein warmes Hellgrau für Grundierungen. Ein Mittelgrau als Basis für graue Tiere. Ein Blaugrau, ohne das ich mir kein realistisches Grau mehr vorstellen konnte. Und ein dunkles Graubraun für Schatten.

Beim Schwarz war es ähnlich. Ich besaß vielleicht acht verschiedene Schwarztöne aus verschiedenen Sets. Genutzt? Drei. Ein reines Schwarz, aber das nur sparsam. Ein Schwarzbraun für warme schwarze Tiere. Und ein Schwarzblau für kühlere Töne.

Die Erkenntnis über warme und kühle Töne

Als ich so vor meinen verbliebenen Stiften saß, fiel mir etwas auf, das ich vorher nie bewusst wahrgenommen hatte. Fast jede Farbe, die ich regelmäßig nutzte, hatte ein Pendant. Nicht in einem anderen Helligkeitsgrad, sondern in einer anderen Temperatur.

Das helle Beige, das ich liebte? Ich hatte zwei davon. Eins mit einem warmen, gelblichen Unterton für sonnenbeschienenes Fell. Eins mit einem kühleren, fast rosa Unterton für Fell im Schatten. Das war der Unterschied. Nicht hunderte verschiedene Farben, sondern das Verständnis dafür, wann ich eine warme und wann ich eine kühle Version desselben Tons brauchte.

Ich erinnerte mich an das Perserkatzporträt, das mich zur Verzweiflung getrieben hatte. Der "fehlende" Grauton, den ich im teuren Set gefunden hatte, war nichts anderes als ein warmgrau, das ich hätte mischen können, indem ich mein kühles Grau mit einem Hauch von meinem Beige oder Rosa überlegt hatte.

Ich hatte 120 Euro ausgegeben für eine Lektion, die ich hätte lernen können, indem ich einfach experimentiert hätte.

Bruno, noch einmal

Um meine Theorie zu testen, beschloss ich, Bruno ein drittes Mal zu malen. Diesmal mit einer selbst auferlegten Regel: Ich durfte nur die zwanzig am häufigsten genutzten Farben aus meiner Sortieraktion verwenden. Nicht eine mehr.

Ich begann mit einem hellen, warmen Beige als Grundierung für sein Fell. Darüber legte ich Schichten von meinem Mittelbraun. Für die dunkleren Partien um seine Augen und Schnauze mischte ich das dunkle Schokobraun mit meinem Graubraun. Seine Nase bekam eine Basis aus Rosa, überlegt mit dem Rotbraun, und die dunkelsten Schatten setzte ich mit dem Schwarzbraun.

Für seine Augen verwendete ich das Ocker als Basis, dann Schichten von Brauntönen, und die Reflexe setzte ich mit Weiß und einem Hauch Hellblau. Der Hintergrund war ein einfaches Grün, leicht verschwommen, damit Bruno im Fokus blieb.

Vier Stunden später war ich fertig. Ich lehnte mich zurück und betrachtete das Bild. Es war das beste der drei Brunos. Bei weitem. Und ich hatte gerade mal fünfzehn verschiedene Farben verwendet.

Der Unterschied? Diesmal kannte ich jede einzelne dieser Farben. Ich wusste, wie sie reagierte, wie viel Druck ich brauchte, wie sie sich mit anderen mischte. Es gab keine Überraschungen, kein Herumprobieren mit unbekannten Tönen. Nur Können. Nur Wissen. Nur Erfahrung.

Was ich heute meinen Schülern sage

Mittlerweile gebe ich Workshops für Tierporträt-Malerei. Und beim ersten Termin stelle ich immer dieselbe Frage: "Wie viele Pastellstifte besitzt ihr?" Die Antworten reichen von fünfzig bis zu mehreren hundert. Dann frage ich: "Und wie viele davon nutzt ihr regelmäßig?" Die Gesichter werden betreten. Die Zahlen sinken auf zehn, fünfzehn, vielleicht zwanzig.

Ich erzähle ihnen dann meine Geschichte. Von den 300 Stiften, die ich besaß. Von dem Gefühl der Überforderung. Von der älteren Dame auf der Kunstmesse mit ihrer kleinen Blechdose. Und ich sehe die Erleichterung in ihren Gesichtern.

"Ihr braucht nicht mehr Farben", sage ich ihnen. "Ihr braucht ein tieferes Verständnis für die Farben, die ihr habt."

In meinen Workshops arbeiten wir mit einer festgelegten Palette von achtzehn Farben. Nicht mehr. In der ersten Stunde sind die Teilnehmer oft skeptisch. "Reicht das wirklich?", fragen sie. "Was, wenn mir ein Ton fehlt?"

Dann male ich ihnen vor, wie man aus einem hellen Beige, einem Mittelbraun und einem Hauch Rosa mindestens fünf verschiedene Fellfarben kreieren kann. Wie ein Grau durch die Zugabe von Blau plötzlich kühl und realistisch wirkt. Wie Schwarz nie allein stehen sollte, sondern immer mit einem Braunton oder Blauton gemischt werden muss, um natürlich auszusehen.

Am Ende des Workshops haben die meisten ein Porträt geschaffen, das sie selbst überrascht. Und das mit nur achtzehn Farben.

Die Geschichte von Sarah und dem Husky

Eine meiner Schülerinnen, Sarah, kam vor einem Jahr zu mir. Sie hatte bereits zwei Jahre Erfahrung mit Pastellmalerei und besaß fünf verschiedene Sets. Insgesamt über 250 Stifte. "Ich will einen Husky malen", sagte sie mir. "Aber ich kriege das Grau einfach nicht hin. Welches Set würdest du mir empfehlen?"

Ich bat sie, mir ihre vorhandenen Sets zu zeigen. Sie hatte bereits mehr Grautöne, als die meisten Profis jemals brauchen würden. Das Problem war nicht die Auswahl. Das Problem war, dass Sarah nicht wusste, wie sie diese Grautöne einsetzen sollte.

Wir setzten uns hin, und ich zeigte ihr, wie Husky-Fell wirklich funktioniert. Es ist nicht einfach grau. Es ist eine Kombination aus warmem und kühlem Grau, durchsetzt mit Weiß, mit Schattierungen von Blaugrau in den Tiefen und manchmal sogar einem Hauch von Braun in den Übergängen.

"Nimm dein warmes Hellgrau", sagte ich. "Das ist deine Basis. Darüber legst du Schichten von deinem Mittelgrau, aber nicht überall. Nur dort, wo Schatten sind. Dann nimmst du dein Blaugrau für die tiefsten Schatten. Und zum Schluss setzt du mit Weiß die Highlights."

Sarah probierte es aus. Zunächst zaghaft, dann immer selbstbewusster. Nach zwei Stunden hatte sie den Kopf eines Huskys geschaffen, der so lebendig aussah, dass man meinte, er würde gleich die Augen bewegen.

"Ich habe vier Grautöne benutzt", sagte sie fassungslos. "Vier. Und ich habe zwanzig davon."

"Jetzt weißt du, welche vier du wirklich brauchst", antwortete ich. "Und die anderen sechzehn? Die darfst du vergessen."

Der praktische Weg nach vorne

Wenn du bis hierher gelesen hast, fragst du dich vielleicht: Was soll ich jetzt konkret tun? Soll ich all meine Sets wegwerfen? Soll ich von vorne anfangen?

Lass mich dir erzählen, was ich empfehle, und zwar basierend auf dem, was bei mir und meinen Schülern funktioniert hat.

Beginne mit einem Experiment. Nimm dein nächstes Tierporträt und beschränke dich bewusst auf zwanzig Farben. Nicht mehr. Lege diese zwanzig Stifte vor dir aus und packe den Rest weg. Weit weg, sodass du nicht in Versuchung kommst, doch noch schnell einen anderen Ton zu holen.

Wähle diese zwanzig Farben bewusst aus. Nimm fünf Brauntöne in verschiedenen Helligkeiten. Nimm vier Grautöne. Nimm drei Schwarztöne. Nimm Weiß und ein helles Creme. Nimm ein Ocker, ein Rosa, ein dunkles Umbra. Und dann noch zwei oder drei Farben für Hintergründe oder Akzente.

Male das Porträt. Wenn du an einen Punkt kommst, wo du denkst "Mir fehlt genau dieser eine Ton", halte inne. Atme durch. Und dann frage dich: Kann ich diesen Ton aus meinen vorhandenen Farben mischen? In neun von zehn Fällen lautet die Antwort ja.

Die Frage der Qualität

Jetzt werden manche von euch sagen: "Aber ich habe gehört, dass teure Stifte besser sind. Sollte ich nicht in Qualität investieren?" Und ja, das stimmt. Aber hier ist der Clou: Investiere lieber in zwanzig hochwertige Stifte als in hundert mittelmäßige.

Ich erinnere mich an den Moment, als ich meinen ersten Faber-Castell Polychromos in der Hand hielt. Es war ein einfaches Mittelbraun. Dieser Stift kostete etwa vier Euro. Einer meiner günstigen Brauntöne aus dem ersten Set hatte vielleicht 80 Cent gekostet. Ein Unterschied von über 300 Prozent.

Aber als ich den teuren Stift das erste Mal benutzte, verstand ich sofort, warum Profis auf Qualität schwören. Die Farbe glitt aufs Papier wie Butter. Ich brauchte weniger Druck. Weniger Schichten. Und das Ergebnis war intensiver, leuchtender, einfach besser.

Ein guter Pastellstift ist nicht nur ein Werkzeug. Er ist ein Partner. Er verzeiht kleine Fehler. Er lässt sich besser kontrollieren. Er macht das Malen zum Vergnügen statt zur Frustration.

Heute besitze ich vielleicht vierzig Pastellstifte. Alle in hoher Qualität. Zusammen haben sie mich etwa 150 Euro gekostet. Weniger als ich früher für ein einziges mittelmäßiges Großset ausgegeben habe. Aber diese vierzig Stifte sind alles, was ich brauche. Und ich kenne jeden einzelnen von ihnen wie einen alten Freund.

Der Unterschied, den es macht

Neulich hatte ich eine Kundin, die ein Porträt ihres verstorbenen Hundes bestellte. Ein alter Schäferhund namens Rex, der sie siebzehn Jahre lang begleitet hatte. Sie zeigte mir Fotos von ihm. Ein wunderschöner Hund mit diesem typischen schwarz-braunen Fell, aber sein Gesicht war grau geworden mit dem Alter.

Als ich anfing zu malen, griff ich zu meinen vertrauten Farben. Das warme Mittelbraun für die Grundierung seines Fells. Das Schwarzbraun für die dunkelsten Partien. Aber dann kamen die grauen Stellen um seine Schnauze und seine Augen. Und hier passierte etwas Magisches.

Ich nahm mein warmes Hellgrau und legte es vorsichtig über das Braun. Dann fügte ich Schichten von meinem Blaugrau hinzu, aber nur ganz leicht. Das Ergebnis war ein Grau, das nicht tot wirkte, sondern lebendig. Ein Grau, das erzählte: Dieser Hund hat gelebt. Dieser Hund hat geliebt. Dieser Hund ist alt geworden.

Als die Kundin das fertige Porträt abholte, brach sie in Tränen aus. "Das ist Rex", schluchzte sie. "Genau wie ich ihn in Erinnerung habe. Diese weisen, alten Augen. Diese graue Schnauze, die er mir immer an die Hand stupste."

Ich hatte für dieses Porträt vielleicht fünfzehn verschiedene Farben verwendet. Aber es war nicht die Anzahl der Farben, die den Unterschied gemacht hatte. Es war das Wissen, wie ich sie einsetzen musste. Es war die Erfahrung aus hunderten von Stunden mit genau diesen Stiften. Es war die Vertrautheit, die mir erlaubte, nicht mehr über die Technik nachzudenken, sondern mich ganz auf die Emotion zu konzentrieren.

Was ich dir heute mitgeben möchte

Wenn ich an diesem Dienstagabend im Februar zurückdenke, als ich zum dritten Mal ein riesiges Pastellset kaufen wollte, dann bin ich froh, dass ich innehielt. Dass ich den Mut hatte, ehrlich zu mir selbst zu sein. Dass ich erkannte: Mehr ist nicht besser. Besser ist besser.

Du stehst vielleicht gerade an demselben Punkt, an dem ich damals stand. Vielleicht hast du auch schon mehrere Sets gekauft, und die Hälfte davon liegt ungenutzt in der Schublade. Vielleicht fühlst du dich auch überfordert von der Auswahl. Vielleicht denkst du auch, dass dir noch dieser eine perfekte Ton fehlt.

Aber lass mich dir sagen: Er fehlt dir nicht. Du hast bereits alles, was du brauchst. Du musst nur lernen, es zu nutzen.

Die alte Dame auf der Kunstmesse mit ihrer kleinen Blechdose hatte recht. Echte künstlerische Freiheit entsteht nicht durch hunderte von Optionen. Sie entsteht durch Meisterschaft über wenige, sorgfältig ausgewählte Werkzeuge.

Heute male ich die besten Tierporträts meiner Karriere. Nicht weil ich die meisten Farben habe, sondern weil ich die richtigen habe. Nicht weil ich jede erdenkliche Nuance als fertigen Stift besitze, sondern weil ich gelernt habe, jede erdenkliche Nuance zu mischen.

Und dieser Unterschied hat nicht nur meine Kunst verändert. Er hat auch mein Konto geschont. Die 300 Euro, die ich früher für Sets ausgegeben hätte, stecke ich heute in besseres Papier, in Fortbildungen, in Zeit zum Üben. In Dinge, die wirklich einen Unterschied machen.

Deine Reise mit Pastellstiften muss nicht dieselben teuren Umwege nehmen wie meine. Du kannst heute die Entscheidung treffen, bewusster zu wählen. Weniger, aber besser. Fokussierter, aber freier.

Bruno, der Labrador meiner Nachbarin, ist mittlerweile zwölf Jahre alt. Langsamer geworden, grauer um die Schnauze. Neulich hat meine Nachbarin mich gefragt, ob ich ihn noch einmal malen würde. "Ein letztes Porträt", sagte sie leise.

Ich habe zugesagt. Und ich weiß schon genau, welche Stifte ich verwenden werde. Es sind dieselben, die ich seit drei Jahren kenne und liebe. Meine zwanzig treuen Begleiter.

Mehr brauche ich nicht.

Mehr brauchst auch du nicht.


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ÜBER DEN AUTOR

Autor

Andreas Stolz

Leidenschaftlicher Naturliebhaber und begeisterter Natur- und Tiermaler mit Pastellkreide

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