STOP!
Wenn du gleich dein Pastellbild fixieren willst – leg die Dose ERSTMAL weg! Ich meine es ernst. Was ich dir jetzt zeige, hätte mir Hunderte von Stunden verschwendeter Arbeit erspart. Siehst du das hier? Das war mal ein intensiv leuchtendes Eulenbild. Dann habe ich EINEN fatalen Fehler gemacht. Einmal gesprüht, und BOOM – als hätte man einen grauen Schleier über mein Bild gelegt. Vier Tage Arbeit. Ruiniert. In drei Sekunden. Und das Schlimmste? Neunzig Prozent aller Pastellmaler machen genau denselben Fehler. Heute zeige ich dir nicht nur, was dieser Fehler ist, sondern auch, wie du dein bereits versautes Bild noch retten kannst. Denn ja, es gibt Hoffnung. Aber nur, wenn du jetzt genau aufpasst.
Warum werden Pastellfarben nach dem Fixieren überhaupt stumpf?
Bevor wir gleich zur Lösung kommen, müssen wir verstehen, was da eigentlich auf deinem Papier passiert. Pastell ist einzigartig. Im Gegensatz zu Ölfarbe oder Aquarell besteht Pastell aus reinem Pigment, das nur minimal mit Bindemittel vermischt ist. Diese Pigmentpartikel liegen locker auf deinem Papier, und genau deshalb leuchten Pastellfarben so unglaublich intensiv. Das Licht trifft auf die raue Oberfläche der Pigmente, wird reflektiert und gebrochen, und du siehst diese charakteristische Leuchtkraft.
Jetzt kommt das Fixativ ins Spiel. Fixativ ist im Grunde ein sehr feiner Sprühnebel aus Harz oder Acryl, aufgelöst in einem Lösungsmittel. Wenn du sprühst, setzt sich dieser Nebel auf die Pigmentpartikel und klebt sie fest. Klingt gut, oder? Hier ist das Problem: Dieser Film umhüllt die Pigmente, füllt die winzigen Zwischenräume und verändert die Oberflächenstruktur. Das Licht kann nicht mehr so reflektiert werden wie vorher. Das Ergebnis? Deine Farben wirken dunkler, matter, stumpfer. Manche Künstler beschreiben es so, als würde man einen Schleier über das Bild legen.
Das ist die schlechte Nachricht.
Die gute? Du kannst das beeinflussen, und zwar massiv.
Lass mich dir von Sophie erzählen. Sophie hatte gerade ihr erstes realistisches Fuchsporträt fertiggestellt. Wunderschön. Die orangeroten Töne im Fell, die weißen Akzente um die Schnauze, die bernsteinfarbenen Augen – alles perfekt. Sie war so stolz, dass sie das Bild sofort fixieren wollte, um es zu verschenken. Sie nahm ihre Fixativ-Dose, stand direkt vor dem Bild und sprühte eine dicke Schicht drauf. Das Ergebnis? Ein matschiges, flaches Bild, bei dem alle Details verschwommen waren.
Sophie hatte drei der häufigsten Fehler auf einmal gemacht. Erstens: Sie hielt die Dose viel zu nah am Bild. Die Faustregel lautet mindestens dreißig bis vierzig Zentimeter Abstand. Bei Sophie waren es vielleicht fünfzehn Zentimeter. Das Fixativ kam nicht als feiner Nebel an, sondern als konzentrierte Wolke, die die Pigmente regelrecht durchtränkte.
Zweitens: Sie sprühte viel zu viel auf einmal. Ein einziger, dicker Durchgang. Das ist wie wenn du versuchst, eine Wand mit einem Eimer Farbe statt mit einer Rolle zu streichen. Das Fixativ hatte keine Chance gleichmäßig zu trocknen. Stattdessen bildeten sich Pfützen auf der Oberfläche, die die Pigmente verschieben und vermischen.
Drittens: Sie fixierte bei zu hoher Luftfeuchtigkeit. Es war ein neblig-feuchter Herbsttag, und das Fixativ trocknete einfach nicht schnell genug. Die Feuchtigkeit in der Luft verlängerte den Trocknungsprozess und verstärkte den Effekt des Verwaschens.
Diese drei Fehler – falscher Abstand, zu viel Fixativ auf einmal, ungünstige Bedingungen – sind die Hauptursachen für das Desaster nach dem Fixieren.
Die richtige Fixiertechnik: So bewahrst du die Leuchtkraft
Jetzt kommen wir zum Kern. Wie fixierst du dein Pastellbild richtig, sodass die Farben so leuchtend bleiben wie möglich?
Erste Regel: Weniger ist mehr. Und ich meine wirklich weniger. Du willst nicht eine Schicht auftragen, sondern mehrere hauchdünne Schichten. Ich fixiere meine Bilder immer in mindestens drei bis vier Durchgängen. Zwischen jedem Durchgang lasse ich das Fixativ komplett trocknen, das dauert etwa zehn bis fünfzehn Minuten. Jede einzelne Schicht ist so dünn, dass du kaum siehst, dass etwas passiert ist. Aber gemeinsam ergeben diese Schichten einen stabilen Schutz, ohne die Leuchtkraft zu stark zu beeinträchtigen.
Zweite Regel: Der Abstand ist entscheidend. Halte die Dose mindestens dreißig Zentimeter vom Bild entfernt. Ich persönlich gehe sogar auf vierzig Zentimeter. Der Sprühstrahl sollte dein Bild als feiner Nebel erreichen, nicht als direkter Strahl. Übe vorher auf einem Stück Schmierpapier, um ein Gefühl für den richtigen Abstand und die richtige Sprühgeschwindigkeit zu bekommen.
Dritte Regel: Bewege die Dose gleichmäßig. Keine ruckartigen Bewegungen, kein Verweilen an einer Stelle. Stell dir vor, du malst mit dem Sprühstrahl gleichmäßige, überlappende Bahnen über dein Bild. Von links nach rechts, von oben nach unten. Gleichmäßig, ruhig, kontrolliert.
Vierte Regel: Achte auf die Umgebung. Fixiere nie bei hoher Luftfeuchtigkeit. Idealerweise fixierst du in einem gut belüfteten Raum bei normaler Zimmertemperatur und niedriger bis mittlerer Luftfeuchtigkeit. Wenn du draußen fixierst, wähle einen trockenen Tag ohne Wind.
Fünfte Regel: Das richtige Fixativ. Nicht alle Fixative sind gleich. Es gibt welche, die speziell für Pastell entwickelt wurden und die Farben weniger verändern. Ich persönlich nutze ein Fixativ auf Acrylbasis, das für Weichpastell optimiert ist. Teste verschiedene Marken auf Probestücken, bevor du dein Meisterwerk behandelst.
Der Rettungsplan: Was tun, wenn das Bild bereits stumpf ist?
Okay, aber was, wenn es schon passiert ist? Was, wenn du gerade dieses Video schaust, weil dein Bild bereits matt und stumpf geworden ist? Gibt es noch Hoffnung?
Ja, die gibt es. Und ich zeige dir jetzt drei Techniken, mit denen du dein Bild retten kannst.
Technik Nummer eins: Übermalen. Pastell ist fantastisch, weil du immer weiter darauf arbeiten kannst. Nimm deine hellsten, intensivsten Pastellstifte und trage vorsichtig neue Farbschichten auf die stumpf gewordenen Bereiche auf. Konzentriere dich besonders auf die Lichter und Highlights. Diese Bereiche sind am meisten betroffen, wenn ein Bild nach dem Fixieren matt wird. Mit frischer Farbe kannst du die Leuchtkraft zurückbringen. Arbeite in dünnen Schichten, und verbinde die neue Farbe sanft mit der alten.
Technik Nummer zwei: Polieren mit einem Estompen oder Papierwischer. Manchmal liegt das Problem nicht nur in der Farbe selbst, sondern in der Oberflächentextur. Durch sanftes Polieren mit einem sauberen Estompen kannst du die oberste Schicht wieder glätten und etwas von der Brillanz zurückgewinnen. Sei vorsichtig und übe nur leichten Druck aus.
Technik Nummer drei: Partielles Fixieren. Wenn du dein Bild noch nicht komplett fertig fixiert hast, kannst du strategisch vorgehen. Fixiere nur die Bereiche, die es wirklich brauchen – die dunklen Schatten zum Beispiel. Lass die hellen Bereiche und Highlights unfixiert oder fixiere sie nur minimal. So bewahrst du die maximale Leuchtkraft dort, wo es am wichtigsten ist.
Die Alternative: Muss ich überhaupt fixieren?
Jetzt fragst du dich vielleicht: Muss ich mein Pastellbild überhaupt fixieren? Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an.
Viele professionelle Pastellkünstler fixieren ihre Werke gar nicht oder nur minimal. Stattdessen schützen sie ihre Bilder durch Einrahmung unter Glas mit ausreichend Abstand zwischen Glas und Bild. Ein sogenanntes Passepartout sorgt dafür, dass das Bild nicht am Glas reibt und die Pigmente nicht verwischen.
Wenn du dein Bild transportieren musst oder es ohne Glas aufbewahren willst, dann brauchst du Fixativ. Aber wenn du dein Werk direkt einrahmst, kannst du auf Fixativ verzichten und die volle Leuchtkraft bewahren.
Meine Empfehlung: Wenn du fixieren musst, dann mit der Technik, die ich dir gezeigt habe – mehrere hauchdünne Schichten, richtiger Abstand, die richtige Umgebung. Wenn du nicht fixieren musst, dann lass es und rahme dein Bild professionell ein.
Dein Aktionsplan für das nächste Bild
Lass uns das Gelernte zusammenfassen. Damit du nie wieder den Schock erlebst, dass dein Bild nach dem Fixieren stumpf wird, halte dich an diese Schritte:
Erstens: Teste dein Fixativ immer erst auf einem Probestück mit ähnlichen Farben und Papier.
Zweitens: Fixiere in mehreren dünnen Schichten, niemals in einer dicken.
Drittens: Halte mindestens dreißig bis vierzig Zentimeter Abstand.
Viertens: Bewege die Dose gleichmäßig und ohne zu verweilen.
Fünftens: Achte auf niedrige Luftfeuchtigkeit und gute Belüftung.
Sechstens: Wenn etwas schiefgeht, übermale die stumpfen Bereiche mit frischer, leuchtender Farbe.
Und wenn du dich fragst, wie du das alles in deinen Workflow integrieren sollst, dann lass mich dir sagen: Es ist wie beim Malen selbst. Am Anfang fühlst es sich kompliziert an, aber mit jedem Bild wirst du sicherer. Nach ein paar Durchgängen wird das Fixieren zur Routine, und du wirst instinktiv wissen, wann und wie du sprühen musst.
Der Weg zu besseren Pastellbildern
Du weißt jetzt, warum Fixativ deine Farben stumpf machen kann, wie du das verhinderst, und wie du ein bereits betroffenes Bild retten kannst. Aber das ist nur ein Teil des großen Puzzles, das realistische Tierporträts mit Pastell ausmacht.
Wenn du wirklich meisterhafte Pastellbilder erschaffen willst, die nicht nur technisch perfekt sind, sondern auch die Seele des Tieres einfangen, dann brauchst du mehr als nur Wissen über Fixativ. Du brauchst fundierte Kenntnisse über Farbmischung, Schichtaufbau, Fellstrukturen und Komposition. Und genau dabei helfe ich dir in meinen Kursen und Videos hier auf PastellNatur.
Und wenn du bereit bist, den nächsten Schritt zu gehen und systematisch zu lernen, wie du atemberaubende realistische Tierporträts mit Pastell malst, dann schau dir meinen Mini-Kurs an, in dem wir gemeinsam einen realistisches Fuchsporträt malen:
https://www.pastellnatur.de/mini-kurs-fuchs/

Denk daran: Jeder Rückschlag beim Malen ist eine Chance zu lernen. Das stumpf gewordene Bild von heute ist die Lektion, die dich morgen zum besseren Tiermaler macht. Gib nicht auf, bleib neugierig, und mal weiter.
Bis zum nächsten Video. Mach's gut und halt die Stifte bereit.
Auf meinem Youtube-Kanal findest du vile weitere Beiträge zu dem Thema "Realistische Tierporträts malen":
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ÜBER DEN AUTOR

Andreas Stolz
Leidenschaftlicher Naturliebhaber und begeisterter Natur- und Tiermaler mit Pastellkreide
Leidenschaftlicher Naturliebhaber und begeisterter Natur- und Tiermaler mit Pastellkreide.
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