Weißt du, was der Unterschied zwischen einem guten und einem atemberaubenden Tierporträt ist? Oft ist es nicht das Fell, nicht die Augen – es ist der Hintergrund. Ich habe es selbst erlebt: Stundenlang an einem Hundeporträt gearbeitet, jedes Haar perfekt gesetzt, und dann... wirkte das Ganze irgendwie flach. Der Grund? Der Hintergrund hat nicht mit dem Tier kommuniziert.
Als Spezialist für realistische Tierporträts mit Pastellstiften und Pastellkreiden kann ich dir aus Erfahrung sagen: Der Hintergrund ist nicht einfach nur das, was hinter deinem Tier ist. Er ist der stille Erzähler, der Stimmungsmacher, der Komplize, der dein Motiv zum Leuchten bringt – oder es verschluckt.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Hintergründe gestaltest, die wirklich wirken. Von sanftem Waldlicht bis zum eleganten Studiolook – du lernst, wie du mit Pastellfarben Tiefe, Atmosphäre und Dramatik schaffst, ohne dass der Hintergrund deinem Hauptdarsteller die Show stiehlt.
Stell dir vor, du malst einen majestätischen Wolf. Sein Blick ist intensiv, das Fell detailreich. Aber dann platzierst du ihn vor einem knalligen, gleichmäßigen Himmelblau. Was passiert? Das Bild schreit nach Aufmerksamkeit, aber aus den falschen Gründen.
Der Hintergrund hat drei wesentliche Aufgaben:
Er lenkt den Blick: Ein gut gewählter Hintergrund führt das Auge des Betrachters genau dorthin, wo du es haben willst – zu den Augen, zur Nase, zu dem besonderen Charakterzug deines Tieres.
Er erzählt die Geschichte: Ein Hund vor verschwommenem Waldgrün erzählt eine andere Geschichte als derselbe Hund vor neutralem Grau. Der eine ist ein Abenteurer, der andere zeitlos elegant.
Er schafft Tiefe: Pastelle sind prädestiniert dafür, Tiefe zu schaffen. Aber nur, wenn du weißt, wie du Farben, Kontraste und Übergänge einsetzt.
Bevor wir in die spezifischen Looks eintauchen, lass uns über die fundamentalen Prinzipien sprechen, die für alle Hintergründe gelten – egal ob Wald oder Studio.
Dein Tier muss sich vom Hintergrund abheben. Das heißt nicht, dass du krasse Farbgegensätze brauchst. Manchmal reicht ein tonaler Kontrast – ein helles Tier vor dunklerem Grund oder umgekehrt. Bei einem weißen Hund funktioniert ein mitteltoniger oder dunkler Hintergrund Wunder. Bei einem schwarzen Labrador solltest du hellere Töne wählen.
Mit Pastellkreiden hast du hier einen Vorteil: Du kannst Kontraste sanft aufbauen, Schicht für Schicht. Beginne mit der Grundfarbe und arbeite dann dunklere oder hellere Bereiche ein, bis dein Tier förmlich aus dem Bild heraustritt.
Der Hintergrund darf niemals detaillierter sein als dein Hauptmotiv. Das ist eine eiserne Regel. Wenn du jedes Blatt im Wald akribisch ausarbeitest, während das Fell deines Tieres weniger Details hat, wird der Betrachter verwirrt. Sein Gehirn weiß nicht, wo es hinschauen soll.
Bei Pastellstiften kannst du wunderbar mit unterschiedlichen Bearbeitungsgraden arbeiten: Den Vordergrund – dein Tier – arbeitest du mit spitzen Stiften und präzisen Strichen aus. Den Hintergrund behandelst du großzügiger, mit der Breitseite der Kreide, mit Verwischungen, mit lockeren Gesten.
Deine Hintergrundfarben sollten mit den Farben deines Tieres harmonieren, nicht konkurrieren. Das heißt nicht, dass du nur Komplementärfarben verwenden darfst – aber die Gesamtkomposition sollte stimmig wirken.
Ein Geheimtipp: Nimm eine der Farben aus dem Fell oder den Augen deines Tieres und lass sie subtil im Hintergrund wieder auftauchen. Bei einem Fuchs mit seinem rötlich-braunen Fell könnten warme Erdtöne oder sogar dezente Rottöne im Hintergrund die Verbindung schaffen. Das bindet Vorder- und Hintergrund zusammen.
Kommen wir zum Klassiker unter den Tierhintergründen: das diffuse Licht eines Waldes, einer Wiese oder eines Gartens. Dieser Look vermittelt Natürlichkeit, Freiheit und eine gewisse Romantik.
Der Trick bei Waldlicht ist nicht, jeden Baum zu malen, sondern die Essenz von Wald einzufangen. Du brauchst:
Farbverläufe von dunkel nach hell: Der Wald hat Tiefe. Vorne sind die Farben intensiver, hinten verschwimmen sie in einem helleren, weniger gesättigten Ton. Beginne mit einem mittleren Grünton und arbeite dann mit deinen Pastellkreiden Schichten auf. Im Vordergrund (direkt hinter dem Tier) kannst du dunklere Grüntöne, vielleicht Waldgrün oder Tannengrün, einsetzen. Je weiter du nach hinten gehst, desto mehr mischst du Hellblau, Graugrün oder sogar zartes Gelb hinein.
Lichtflecken: Das ist das Geheimnis von Waldlicht. Verwende einen weißen oder sehr hellen cremefarbenen Pastellstift und setze unregelmäßige, weiche Lichtflecken – so als würde Sonnenlicht durch Blätter fallen. Verwische diese Stellen leicht mit dem Finger oder einem Papierwischer. Sie sollten wie Lichtpools wirken, nicht wie harte Kreise.
Unschärfe ist dein Freund: Alles im Hintergrund sollte verschwommen wirken. Nutze deine Finger, einen Estompen oder sogar ein weiches Tuch, um die Pastellfarben ineinander zu verwischen. Keine scharfen Kanten, keine erkennbaren Blätter – nur Andeutungen.
Bokeh-Effekt simulieren: Fotografen lieben den Bokeh-Effekt – diese schönen, unscharfen Lichtkreise im Hintergrund. Du kannst das mit Pastellen nachahmen! Setze mit helleren Farben kleine, weiche Kreise oder ovale Formen in den Hintergrund. Verwische sie leicht, aber nicht komplett. Das suggeriert Lichtspiegelungen auf Blättern im Hintergrund.
Manchmal ist weniger wirklich mehr. Der Studiolook – ein neutraler, oft einfarbiger Hintergrund – ist perfekt, wenn du willst, dass nichts von deinem Tier ablenkt. Dieser Look ist besonders beliebt für Auftragsarbeiten, wo der Fokus ganz klar auf dem Haustier liegen soll.
Ein neutraler Hintergrund heißt nicht, dass du einfach graue Farbe aufträgst und fertig. Der Trick liegt in den subtilen Variationen.
Tonale Abstufungen: Selbst ein grauer Hintergrund sollte leben. Arbeite mit drei bis vier verschiedenen Grautönen – einem mittleren als Basis, einem dunkleren für die Bereiche hinter dem Tier (um es optisch nach vorne zu holen) und einem helleren für die Ränder oder für Bereiche, wo imaginäres Licht hinfällt.
Warme vs. kalte Grautöne: Das ist ein Profi-Trick. Grau ist nicht gleich Grau. Ein Grau mit einem Hauch von Braun oder Ocker wirkt warm und einladend – perfekt für Porträts von Haustieren, die Nähe ausstrahlen sollen. Ein Grau mit einem Touch von Blau wirkt kühler, moderner, edler – ideal für elegante Rasseporträts.
Vignettierung: Dunkle die Ecken leicht ab. Das lenkt den Blick automatisch zur Mitte, wo dein Tier ist. Mit Pastellkreiden machst du das, indem du in den Ecken mit dunkleren Tönen arbeitest und dann in kreisenden Bewegungen nach innen hin aufhellst.
Für einen makellosen Studiolook verwende ich gerne die Verwischtechnik kombiniert mit Schichten:
Grundschicht: Trage einen mittleren Ton großzügig auf, ruhig mit der Breitseite der Pastellkreide. Arbeite in kreisenden Bewegungen.
Verwischen: Nimm einen weichen Schwamm, ein Kosmetikpad oder deine Finger und verwische die Farbe komplett. Du willst eine absolut gleichmäßige Fläche ohne sichtbare Striche.
Zweite Schicht: Trage nun gezielt dunklere Bereiche auf, dort wo du Tiefe brauchst (meist hinter und unter dem Tier). Verwische auch diese, aber nicht so stark.
Highlights: Setze mit einem sehr hellen Grau oder Weiß vorsichtig Lichtakzente, besonders dort, wo dein Tier vom "Licht" angestrahlt werden würde.
Fixativ: Bei neutralen Hintergründen ist es besonders wichtig, dass nichts verschmiert. Fixiere zwischendurch, aber vorsichtig – zu viel Fixativ kann Pastellfarben abdunkeln.
Manchmal willst du Dramatik. Ein Wolf bei Mondlicht. Eine Eule in der Dämmerung. Ein Pferd vor dunklen Gewitterwolken. Hier spielst du mit starken Kontrasten und oft auch mit begrenzter Farbpalette.
Bei dramatischen Hintergründen arbeitest du mit extremen Werten. Dunkle, fast schwarze Bereiche treffen auf helle Lichtquellen.
Der Schlüssel ist der Übergang. Selbst bei dramatischen Szenen sollten die Übergänge von Hell zu Dunkel fließend sein (außer du willst bewusst harte Schatten). Mit Pastellkreiden schaffst du das durch Layering: Trage Dunkelbraun auf, dann Schwarzbraun, verwische, trage erneut auf, verwische wieder. So entstehen tiefe, satte Schwarztöne, die nicht flach wirken.
Für Lichtquellen (Mond, Dämmerungslicht) verwendest du die umgekehrte Technik: Beginne mit dem hellsten Ton (oft Weiß oder helles Gelb) im Zentrum und arbeite dich mit immer dunkleren Tönen nach außen vor.
Die Jahreszeit kann deinem Hintergrund eine zusätzliche emotionale Ebene geben.
Frühling: Zarte Grüntöne, Pastellrosa, helles Gelb. Weiche Übergänge. Vielleicht angedeutete Blüten als unscharfe Farbkleckse.
Sommer: Satte Grüntöne, warmes Sonnenlicht, vielleicht goldene Akzente. Alles wirkt voller, kräftiger.
Herbst: Mein persönlicher Favorit für Tierporträts. Warme Erdtöne, Rostrot, Goldgelb, dunkles Orange. Diese Farben lassen nahezu jedes Tier leuchten. Der Trick: Arbeite mit vielen verschiedenen Warmnuancen, nicht nur mit einer orangen Farbe.
Winter: Kalte Blautöne, Grau, Weiß. Hier ist Zurückhaltung gefragt. Winter-Hintergründe leben von ihrer Reduziertheit. Ein Husky vor verschwommenem Schnee und grauem Himmel – Minimalismus mit Wirkung.
Für Hintergründe brauchst du ein Papier mit genug Zahn, um mehrere Schichten aufzunehmen. Ich empfehle Papiere ab 160 g/m², besser noch 220 g/m² oder mehr. Pastell-Velourpapier ist fantastisch für samtweiche Hintergründe. Sanded Paper bietet noch mehr Zahn für intensive Farbaufträge.
Immer vom Hintergrund zum Vordergrund arbeiten! Das ist fundamental. Male erst den kompletten Hintergrund, lass eventuell die genaue Stelle für dein Tier aus (oder male grob darüber), und arbeite dann dein Tier von vorne nach hinten aus. So vermeidest du, dass du versehentlich über dein bereits fertig gemaltes Tier verwischst.
Fixiere deinen Hintergrund, bevor du mit dem Tier anfängst. So verhinderst du, dass Hintergrundfarben in dein Tierfell wandern. Sprühe aus mindestens 30 cm Entfernung in mehreren dünnen Schichten, niemals in einer dicken.
Fehler 1: Zu viele Details im Hintergrund Lösung: Kneif die Augen zusammen und schau auf dein Bild. Wenn du Details im Hintergrund klar erkennen kannst, verwische mehr.
Fehler 2: Der Hintergrund konkurriert farblich mit dem Tier Lösung: Reduziere die Farbintensität im Hintergrund. Mische mehr Grau oder Weiß bei, um die Farben zu entsättigen.
Fehler 3: Harte Übergänge zwischen Hintergrundfarben Lösung: Verwische gründlicher an den Übergängen. Eventuell mit einer Zwischenfarbe arbeiten, die beide Töne verbindet.
Fehler 4: Das Tier wirkt wie aufgeklebt Lösung: Schatten! Ein sanfter Schatten unter oder hinter dem Tier (je nachdem, ob es steht oder der Kopf porträtiert wird) gibt ihm Gewicht und verankert es im Raum.
Analysiere dein Tier: Welche Stimmung passt? Ein verspielter Welpe? Waldlicht. Ein majestätischer Kater? Studiolook. Ein mysteriöser Rabe? Dramatischer Hintergrund.
Wähle deine Farbpalette: Maximal 4-6 Hauptfarben für den Hintergrund. Weniger ist mehr.
Skizziere grob: Manchmal hilft es, den Hintergrund erst einmal grob mit normalen Buntstiften zu skizzieren, um die Wirkung zu testen.
Arbeite in Schichten: Nie alles auf einmal auftragen. Schicht für Schicht baust du Tiefe auf.
Tritt zurück: Immer wieder einen Schritt zurückgehen und das Gesamtbild betrachten. Aus der Distanz siehst du, ob der Hintergrund funktioniert.
Der Hintergrund ist nicht nur Beiwerk – er ist der stille Star, der dein Tier zum Leuchten bringt. Mit den richtigen Techniken, etwas Mut zum Experimentieren und dem Wissen um Kontrast, Farbharmonie und Tiefe verwandelst du jedes Tierporträt in ein Kunstwerk, das nicht nur handwerklich beeindruckt, sondern auch emotional berührt.
Also, schnapp dir deine Pastellkreiden und probiere es aus. Dein nächster Hintergrund wird garantiert wirken – versprochen.
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ÜBER DEN AUTOR

Andreas Stolz
Leidenschaftlicher Naturliebhaber und begeisterter Natur- und Tiermaler mit Pastellkreide
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